Tag 4 - Donnerstag, 16 April. 1998, von Treben nach Bukowa - Marschierte von Treben nach Bukowa. Schwer zu beurteilen, ob das Dorf sich noch immer an derselben Stelle wie im Jahre 1945 befindet. Bukowa sollte 4 Kilometer von Zwodau entfernt sein, aber aus irgendeinem Grund sind es 10. Das Land wird hier im Tagebau abgetragen. Große, hässliche Löcher für viele Meilen. Meine Achillessehne ist geschwollen und schmerzt. Die neuen Turnschuhe. Wir essen in einem kleinen Restaurant in Franzensbad. Niemand versteht auch nur ein bisschen Deutsch oder Englisch. Schließlich fragt man einen tschechischen Diplomaten, der fließend Französisch spricht, uns bei der Bestellung des Essens zu helfen. Am selben Abend im Hotel ist die Empfangsdame so freundlich, mir einen Kübel mit Eis zu geben. Meine Füße sind in schlechtem Zustand. In seinem Werk »Die Atempause« gibt Primo Levi dieses Gespräch wieder, das sich zwischen ihm und seinem griechischen Reisebegleiter zugetragen hat, ganz kurz nach ihrer Befreiung von Auschwitz...: »...fragte er mich: ›Wie alt sind Sie?‹ ›Fünfundzwanzig‹, erwiderte ich. ›Was sind Sie von Beruf?‹ ›Ich bin Chemiker.‹ ›Dann sind Sie ein Dummkopf‹, sagte er ruhig. ›Ein Mann ohne Schuhe ist ein Dummkopf.‹ Er war ein großartiger Grieche. Nur sehr wenige Male vorher und nachher habe ich das Gewicht solch konkreter Weisheit auf mir verspürt. Die Gültigkeit dieses Arguments stand außer Frage und war klar erkenntlich: die zwei zerrissenen Fetzenstücke an meinen Füßen und die zwei Glanzstücke an seinen.«


16. April 1998 – The thailändische Armee gab den Tod von Pol Pot offiziell bekannt. Ihrem Bericht zufolge war Pol Pot vor einem Tag einem Herzanfall in seinem Dschungelversteck erlegen. Die kambodschanische Armee hielt diese Berichte angeblich für wahr, die auch von den Roten Khmer kolportiert wurden, aber ausländische Diplomaten blieben skeptisch.


Helmbrechts Walk, 1998-2003
Tag 4 - Donnerstag, 16 April. 1998, von Treben nach Bukowa -
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